Marketing

Labels: die unscheinbaren Etiketten, die über deine Conversion entscheiden

Das Entrello-Team

Hand aufs Herz: Die meisten Veranstalter:innen schicken ihren Newsletter an alle gleichzeitig. Eine Mail, die ganze Liste, abgeschickt, erledigt. Geht schnell und fühlt sich nach Reichweite an.

Funktioniert nur immer schlechter.

Deine Liste ist kein Block aus 5.000 gleichen Leuten. Da ist der Stammgast, der seit Jahren keine Premiere auslässt. Daneben die Familie, die genau einmal im Jahr zur Weihnachtsvorstellung kommt. Und der Jazzliebhaber, der bei deiner Comedy-Reihe reflexartig auf „Löschen“ tippt. Schickst du allen dreien dieselbe Mail, ist sie für mindestens zwei davon ein Fehlgriff.

Das Werkzeug, mit dem du diese Menschen auseinanderhältst, ist klein, langweilig und wird permanent unterschätzt: das Label.

Erst mal: Was ist ein Label?

Ein Etikett, das du an einen Kontakt heftest. „Stammgast“, „VIP“, „Familie mit Kindern“, „kommt nur zu Konzerten“, „seit Monaten inaktiv“ — was auch immer für deine Veranstaltungen Sinn ergibt.

Du kannst Labels von Hand vergeben oder gleich beim Import einer bestehenden Liste mitgeben. Und ein Kontakt darf so viele tragen, wie du willst: Jemand kann gleichzeitig „VIP“, „Stammgast“ und „bucht nur am Wochenende“ sein. Diese Überlagerungen sind später der ganze Trick.

Lohnt der Aufwand?

Labels pflegen klingt nach Fleißarbeit, zugegeben. Die Daten aus dem E-Mail-Marketing sind in dem Punkt aber erstaunlich eindeutig. Wer segmentiert verschickt — also an klar abgegrenzte Gruppen statt an die ganze Liste —, schneidet besser ab: Die Data & Marketing Association kommt auf rund 14 % mehr Öffnungen und etwa doppelt so viele Klicks. Doppelt so viele Klicks, aus derselben Liste, nur weil die richtige Nachricht bei den richtigen Leuten landet.

Dazu eine Zahl, die mir noch besser gefällt: Laut Campaign Monitor sind rund drei von vier Konsument:innen genervt, wenn sie Werbung bekommen, die mit ihren Interessen nichts zu tun hat. Das ist im Grunde der ganze Punkt. Jede Mail, die nicht passt, ist nicht neutral — sie kostet dich ein bisschen Sympathie.

Was das mit deinen Zielgruppen zu tun hat

Der Audience Builder baut aus deinem Kontaktstamm punktgenaue Zielgruppen. Er zieht dafür natürlich auch Käufe und Bestellungen heran, die sind Gold wert — aber die erzählen nur, was jemand getan hat. Ob jemand Jazz mag, lieber am Wochenende kommt oder als Erstes von neuen Premieren erfahren will, steht in keiner Bestellhistorie. Das weißt nur du, und genau dieses Wissen hältst du in Labels fest.

Die Logik ist simpel: Je mehr sinnvolle Labels deine Kontakte tragen, desto schärfer arbeitet der Builder. Ein Kontakt ohne Labels ist für das Werkzeug nur eine Adresse. Einer mit einer Handvoll durchdachter Labels ist eine Person mit Vorlieben und Mustern, die in mehreren Zielgruppen auftaucht.

Und da fängt der spannende Teil an. Plötzlich tauchen Gruppen auf, die du vorher nicht gesehen hast: die Familien, die seit der letzten Saison nichts mehr gebucht haben — perfekt für eine freundliche Erinnerung an die neue Familienreihe. Die Jazz-Fans, die noch nie ein Abo gekauft haben. Die kleine, feine Gruppe „VIP“ plus „liebt Premieren“, die eine Einladung zum Vorverkauf bekommt, bevor irgendwer sonst mitbekommt, dass es losgeht.

Drei Nachrichten, drei kleine Gruppen, jede mit einer Trefferquote, von der eine Rundmail an 5.000 Leute nur träumen kann.

So legst du Labels an, dass sie dir später etwas bringen

Es geht weniger um die Menge als um ein bisschen System. Überleg dir vorab ein paar Achsen, nach denen du labelst, statt drauflos zu etikettieren. Bei den meisten Häusern reichen drei: Interesse (Konzert, Theater, Comedy), Beziehung (Neukund:in, Stammgast, inaktiv) und Vorlieben (Wochenende, Familie, Barrierefreiheit nötig). Aus diesem Raster ergibt sich der Rest fast von allein.

Bleib bei einer Schreibweise. „VIP“, „Vip“ und „vip“ sind drei verschiedene Labels — und nichts ist ärgerlicher, als später drei halbe Zielgruppen statt einer ganzen zu haben. Halt sie einmal an einem Ort fest, damit dein Team sie gleich richtig schreibt.

Nutz den Import: Wenn ohnehin eine Liste wandert, gib die Labels direkt mit. Und schau einmal pro Saison drüber — aus einem Neukunden wird irgendwann ein Stammgast, aus einem Stammgast vielleicht ein Inaktiver.

Kurz gegenübergestellt

Mach das:

  • Leg ein paar klare Kategorien fest, bevor du loslegst. Ein System schlägt 200 spontane Labels.
  • Labele konsequent, nicht nur die spannenden Kontakte. Erst ein vollständiger Stamm liefert verlässliche Zielgruppen.
  • Denk in Kombinationen — „VIP“ plus „Jazz“ plus „inaktiv“ ist genau die Art Gruppe, die etwas bringt.
  • Gib Labels beim Import mit, statt sie hinterher nachzutragen.

Lass das lieber:

  • Dubletten durch schludrige Schreibweise: „Stammgast“ gegen „Stammkunde“ gegen „Stammgäste“.
  • Alles labeln, was geht. Hundert bedeutungslose Etiketten machen den Stamm nur unübersichtlich.
  • Sensibles oder Wertendes hinterlegen. Labels sind ein Arbeitswerkzeug, kein Notizzettel — und bei personenbezogenen Merkmalen gilt die DSGVO: nur erfassen, was du für die Ansprache wirklich brauchst.
  • Dich allein auf Kaufdaten verlassen. Die zeigen die Vergangenheit.

Unterm Strich

Labels sehen nach einer Kleinigkeit aus, und genau deshalb bleiben sie so oft liegen. Dabei sind sie das Rohmaterial, aus dem deine Zielgruppen ihre Treffsicherheit ziehen. Käufe sagen dir, was war. Labels sagen dir, was noch drin ist.

Fang klein an. Drei, vier Kategorien, beim nächsten Import konsequent mitgelabelt — mehr braucht es nicht. Und dann schau, wie viele Gruppen sichtbar werden, von denen du nicht wusstest, dass du sie hast.

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